Interview Jan Kurtz

„Ich bin eine treue Seele.“

Jan Kurtz ist ein kommunikativer Typ, der nicht so gern reden will. Jedenfalls nicht über sich. „Ich bin ein ganz normaler Typ.“ Findet er. Na ja, es gibt normalere. Im Sinne von langweilig. Im Sinne von unprätentiös kann man ihm Recht geben. Aber bei den richtigen Themen springt er an. 

jankurtz war bei einigen Großvertriebsunternehmen gelistet. Klingt nach einem großartigem Geschäft. Jetzt sind Sie es nicht mehr. Warum nicht?
Ja wir haben solche Kanäle genutzt. Und es lief gut. Die Möbelhäuser haben uns wirklich gut verkauft. 

Aber?
Sie wollten dafür, dass sie uns sehr gut verkaufen, eine Extra-Gebühr. 

Dafür, dass sie so viel Gewinn mit jankurtz machen??
Ja. Hab ich auch nicht verstanden. Ich wollte mich nicht erpressen lassen. Und zack war ich raus. 

Und dann?
Na ja, es war ein ganz ordentlicher Einbruch in der Bilanz. Wir mussten umstrukturieren.

„Ich lasse mich nicht erpressen.“

Wie ist die Strategie heute?
Wir setzen auf Klasse statt Masse. 

Das bedeutet?
Wir sind raus aus dem Massenmarkt. Setzen auf lieber hochwertige Designhändler. Vor allem auf viele Händler. So ein selektiver Vertrieb bedeutet auch eine Risikostreuung. Wir haben heute etwa 500 Kunden. Und arbeiten mit denen auf Augenhöhe. Aber das hat auch ein paar Jährchen gedauert, so eine Umstellung. 

Wo würden Sie die Kollektionen von jankurtz am Markt einordnen?
Wir sind sicher interessant für diejenigen, die das Programm von IKEA schon hoch und runter ausprobiert haben. Die in ihrer Einrichtung ein neues Level erreichen wollen. Das können sie mit uns. jankurtz ist gradlinig, originell, sinnvoll, konsequent. Klare Linie. Klare Kante. Qualität. 

Es fällt auf, dass Sie auch bei Objekten, für die Sie quasi ein Monopol haben, ziemlich moderate Preise aufrufen. Was steckt hinter dem Konzept?
Erstens muss ein Verkaufspreis seriös kalkuliert werden. Es bringt gar nichts, nur weil man es könnte, überhöhte Preise zu verlangen. Außerdem halte ich mir so Konkurrenz vom Leib. Je teurer ich bin, desto eher kommt jemand auf die Idee, das auch (oder sogar günstiger) anbieten zu können. 

Sie arbeiten mit externen Designern zusammen, aber das Unternehmen entwickelt auch eigene Modelle. Haben Sie fest angestellte Designer?
Ja. Einen. Mich. Ich bin unser Designteam. Aber im Ernst: Ich mache mir Gedanken, bekomme Feedback von Kunden, versuche Details zu optimieren, Linienführungen zu verbessern. Mache kleine Zeichnungen mit ein paar Strichen. Aber ich bin kein ausgebildeter Designer. Nur ein Autodidakt, der die Produkte zu optimieren versucht.

„Das Designteam von jankurtz? Ich.“

Das war und ist auch bei den Liegen des italienischen Herstellers FIAM der Fall. Einer der Top-Seller von jankurtz. Trotzdem verbesserungswürdig?
Die Liege an sich ist ideal. Finde ich. Und finden jedes Jahr 50.000 zufriedene Kunden. Jedes Jahr. Aber wir haben – auch mit Profis von außen – Anregungen für neue Varianten gegeben. Höhere Liegeflächen, die älteren Menschen das Aufstehen erleichtern, breitere Liegeflächen, Armlehnen, solche Sachen. So ist eine ganze Kollektion entstanden. 

Es gab Stress mit einem Handelspartner. Warum?
Wir hatten unsere FIAM-Liegen in dessen Shops. In jeder Stadt in Deutschland. Im nächsten Jahr wollten sie die Liegen nicht mehr. Sie hatten ihre eigenen. Unsere in Kopie. Also habe ich einen Urheberrechtsstreit angestrengt. Fünf Jahre lang. Durch alle Instanzen. Eine Menge Leute haben mir dazu geraten, es sein zu lassen. Ist auch ein Mega-Stress. Und teuer. Und der Gegner eigentlich übermächtig. 

Wie ging der Rechtsstreit aus?
Der Bundesgerichtshof hat uns Recht gegeben und untersagt, die technischen Details zu kopieren. Ich hatte einen tollen Anwalt. Den habe ich heute noch. Und er ist ein guter Freund geworden. Ich bin irgendwie eine treue Seele.

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